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Das Sommercamp mit dem besten Internet

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Vor genau einer Woche endete das fünftägige Chaos Communication Camp der größten Hackervereinigung Europas. Aber was ist vom Internet-Utopia des Chaos Computer Club e.V. übrig geblieben?

Alle vier Jahre rufen die Mitglieder des Clubs ihre Freunde und Bekannten zum internationalen Sommer Camp. Dieses Jahr schlugen sie ihr Lager nahe Berlin in einem Internetentwicklungsland auf – hier, wo die Anwohner von Glück reden können, wenn die Verbindung für ein Youtube-Video ausreicht. Vom 13. bis 17. August kamen jedoch sowohl Anwohner, als auch Besucher des Ziegeleiparks Mildenberg in den Genuss eines High-Speed-Internets: Die Mitglieder des Clubs richteten ihr eigenes Utopia inklusive blitzschnellem Internet für alle ein, mitten in der Brandenburger Einöde.
Neben AktivistInnen, HackerInnen und ProgrammiererInnen, trifft man auf dem Chaos Communication Camp auch auf Interessierte aus der ganzen Welt. Es ist mehr als ein gemeinsamer Urlaub. Hier wird über die neuesten Technologien diskutiert und jeder ist froh, wenn er sein technisches und soziales Wissen mit den Anderen teilen kann. Neben diversen Workshops wurden auf den Informationsveranstaltungen nicht nur die Informationsfreiheit, die Datensicherheit oder der Datenschutz thematisiert, sondern auch Themen wie 3D-Drucker, Frauen in der Hackerszene, Bio-Hacking und die Emanzipation von Flüchtlingen diskutiert.

Im Camp konnten die rund 4.500 Camper mithilfe eines eigenen, kostenlos nutzbaren Handynetzes und 10-Gigabit-Internetzugangs problemlos in Kontakt treten. Mehr als 10.000 WLAN-Geräte waren in Einsatz. Riesige Generatoren arbeiteten ununterbrochen und kilometerweise dicke Kabel versorgten die Zelte mit Strom und Internet. In wenigen Monaten erschuf der Club ein Hochgeschwindigkeitsinternet irgendwo im nirgendwo.
Doch nach wenigen Tagen ist alles vorbei und sie nehmen alles wieder mit. Besucher und Anwohner, die das Spektakel mitverfolgt hatten, werden in ihre Realität zurückgeworfen. Sie mussten sich vom tollen Internet verabschieden und sich seit einer Woche wieder mit ihrem gewohnten Internetzugang zufrieden geben, in der Hoffnung, dass die Möglichkeiten die der CCC in wenigen Wochen erreicht hat, keine Zukunftsmusik für Deutschland bleibt.

Die Kapazitäten für das Zeltlager reichten aus, um 200 Haushalte mit 50 Mbit/s zu versorgen – etwas, was jeder Provider mit links hinbekommen würde. Doch wozu? Denn ohne Wettbewerb und ohne Anreiz einen zu schaffen, gibt es aktuell keinen Grund ein zukunftstaugliches Internet bereitzustellen.

Das Camp soll nicht nur die Leute zusammen bringen, sondern ist auch ein Signal an unsere Politik und alle Provider. In wenigen Tagen haben es die Mitglieder des Clubs geschafft eine Stadt zu errichten, in der es eine leistungsfähige Internetverbindung gibt, die für die zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft notwendig wäre. Im europäischen Vergleich hängt Deutschland in Sache Glasfaserversorgung hinterher und ich frage mich: Wann bekommt Deutschland sein Internet, wie es sein soll?